Ein Fach für Bewusstseinsbildung mithilfe der Künste
1. Der Bildungsauftrag von Kinesis
Kinesis befähigt Kinder und Jugendliche, ihre eigene innere Bewegung wahrzunehmen und zu gestalten. Dazu gehören:
- das Spüren des eigenen Körpers
- das Wahrnehmen und Einordnen von Gefühlen
- das Finden einer eigenen Stimme
- das Erkennen innerer Muster
- das bewusste Treffen von Entscheidungen
Kinesis geht davon aus, dass Kinder nicht nur über die Welt lernen, sondern lernen müssen, wie sie ihre erlebte Welt mitgestalten.
2. Bewusstsein als beweglicher Prozess
In Kinesis wird Bewusstsein nicht als abstrakter Begriff vermittelt, sondern als erfahrbarer Vorgang.
Kinder erleben, dass Wahrnehmung, Gefühl, Denken und Handlung miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Durch angeleitete Übungen, künstlerische Ausdrucksformen, Bewegung, Stimme und dialogische Prozesse erfahren sie:
- dass Gefühle lern- und gestaltbar sind
- dass automatische Reaktionen unterbrochen werden können
- dass zwischen Impuls und Handlung ein Raum entsteht
- dass in diesem Raum Wahlmöglichkeiten liegen
So wird Bewusstsein als beweglich und entwickelbar erlebt.
3. Der KinesisRaum
Der KinesisRaum ist ein geschützter Erfahrungsraum.
Hier wird nicht bewertet, verglichen oder optimiert. Stattdessen wird beobachtet, erprobt und reflektiert.
Der Raum ermöglicht:
- körperliche und innere Bewegung
- künstlerischen Ausdruck ohne Leistungsdruck
- achtsame Kommunikation
- das bewusste Erleben von Beziehung
Der KinesisRaum ist ein Ort, an dem Lernen vertieft und nachhaltig verankert wird.
4. Kinesis als Grundlage schulischen Lernens
Die Erfahrungen aus dem KinesisRaum wirken in den gesamten Schulalltag hinein.
Kinder, die ihre innere Bewegung wahrnehmen können,
- gehen bewusster mit Konflikten um
- können sich besser konzentrieren
- übernehmen Verantwortung für ihr Handeln
- entwickeln Mitgefühl und Selbstvertrauen
Kinesis schafft damit die Grundlage für nachhaltiges Lernen in allen Fächern. Bildung wird nicht nur kognitiv, sondern ganzheitlich verankert.
5. Entscheidung, Beziehung und Verantwortung
Ein zentrales Lernfeld von Kinesis ist die Entwicklung von Entscheidungsfähigkeit.
Kinder erfahren, dass Entscheidungen nicht aus Druck oder Angst entstehen müssen, sondern aus Wahrnehmung und innerer Klarheit darüber, wer sie sein wollen.
Beziehung wird als gestaltbarer Raum erlebt. Kinder lernen, sich selbst und anderen aufmerksam zu begegnen, Grenzen zu achten und Resonanz wahrzunehmen.
So wächst die Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Erleben und Handeln zu übernehmen.
6. Zielperspektive von Kinesis
Kinesis zielt auf die Entwicklung von Menschen, die:
- sich selbst wahrnehmen können
- Gefühle einordnen und gestalten lernen
- in Beziehung treten können
- bewusst entscheiden
- und ihre Lebenswelt aktiv mitgestalten
Kinesis versteht Bildung als Weg der Menschwerdung, eingebettet in den gelebten Alltag.
Kinesis im BildungsHaus Humanum – kurz gefasst
Kinesis ist ein Bildungsfach zur Förderung von Bewusstseinsbildung.
Es arbeitet mit der eigenen Stimme und dem Streichinstrument als zentrale Erfahrungsmedien. Hand und Stimme erhalten dabei eine besondere Bedeutung als Instrumente von Wahrnehmung, Ausdruck und Erkenntnis.
Denken und Beziehung werden als lern- und entwickelbare Prozesse erfahrbar. Kinder und Jugendliche lernen, sich selbst bewusster wahrzunehmen und in Beziehung klarer und ehrlicher zu handeln.
Aus dieser inneren Bewegung entstehen Orientierung, Entscheidungsfähigkeit und grundlegende Lebenskompetenzen.
